Impressionen aus unserer Partnerstadt Lovosice

 

Lovosice - wie Coswig in einer Elbaue gelegen, ein riesiger Kies-Badesee, Jachthafen, Bootswerft, Sportareal mit Frei- und Hallenbad, Eissporthalle, Leichtathletikbahnen, Fußballfeld, Kegelbahn, Sauna. Der Stolz unserer Partnerstadt. Chemiekonzern, Autozulieferindustrie, Endstation der Rollenden Landstraße - wo zur Zeit gar nichts mehr rollt. Mit leichtem Bangen kam ich am 4. September in Lovosice an und fand alle Befürchtungen mehr als bestätigt. Oberbürgermeister Jan Kulhánek erzählt noch einmal von den vergangenen Wochen - auch ihm sind Erschöpfung und Trauer anzumerken. Immer auch Dankbarkeit - Lovosice hat keine Todesopfer zu beklagen. Aber wie wird der Wiederaufbau vonstatten gehen? Wir fahren durch die Stadt und ins Sportareal. Drei Meter hoch stand das Wasser in der Eishalle und im Schwimmbad, nur noch abzureißen sind Bootswerft und die Reste der Kegelbahn, mit dickem Schlamm überzogen das Fußballfeld, geschlossen das Freibad. Verschont hat das Wasser zu unser aller Glück das riesige Territorium von Lovochemie - die Umweltkatastrophe ist ausgeblieben. Der Chemie-Fachschule gegenüber kann aber nur noch der Abrissbagger helfen. Verschlammt und zerstört die Felder rund um die Stadt, zum Teil noch immer unter Wasser, verödet die riesigen Gewächshausflächen. Und natürlich die zahllosen unbewohnbaren Wohnungen in den Erdgeschossen, in den kleinen Privathäusern, selbst in den Plattenbauten aus den 60-ern und 70-ern. Zahlreiche Menschen noch immer evakuiert - wo werden sie leben?

Aber es geht weiter, auch in Lovosice. Riesige ABM-Brigaden sind am Werk, Baufirmen flitzen überall durch die Stadt, Trockner surren, Boschhämmer klirren, die jungen Männer vom Berufsgymnasium stellen sich mit ihren Schaufeln auf dem Fußballfeld lachend vor meiner Kamera in Pose. Die Entschädigungszahlungen für betroffene Familien laufen, Spenden gehen ein, der japanische Investor aus dem Autozulieferwerk hilft.

Schwer wird der Weg trotzdem, sicherlich noch viel schwerer als bei uns. Auf dem Rückweg im schwerst geschädigten Theresienstadt und auf der Landstraße entlang der Elbe sehe ich immer wieder dieselben Bilder - schwarze, starrende Fensterhöhlen in sämtlichen Erdgeschossen zu tausenden links und rechts des Flusses, Schutt- und Müllberge, abgehackter Putz, verschlammte Baumkronen. Als ich das Jammertal der Elbe verlasse und auf die Berge zu steuere, ertappe ich mich beim Aufatmen.

Aber die Bilder werde ich nicht los. Werden wir unsere Partnerstadt auf ihrem steinigen Weg ein wenig begleiten? Trotz unserer eigenen Not? Die ersten Coswiger haben ihre Spende an die Stadtverwaltung überwiesen oder sich an der Kollekte in der Brockwitzer Kirche für Lovosice beteiligt.

Die Bankverbindung der Stadtverwaltung lautet: Konto: Nr. 31 0000 2007, Kreissparkasse Meißen, BLZ 850 550 00, Codierung: Hochwasser Lovosice

 

Ulrike Tranberg
Pressesprecherin der
Stadtverwaltung