Coswiger Kuratorium zur Verteilung der Hochwasserspenden beendet seine Arbeit
Spendensumme insgesamt 508.310 EURAm 13. Oktober 2003 traf sich das Coswiger Kuratorium zur Verteilung der Hochwasserspenden letztmalig. Ein reichliches Jahr nach seiner Gründung hat es nun die abschließenden Entscheidungen gefällt.
Noch bevor das Wasser seinen höchsten Stand erreicht hatte, waren auf dem Konto der Stadtverwaltung erste Spenden eingegangen. Am 2. September 2002 trat das von Oberbürgermeister Michael Reichenbach einberufene Kuratorium zur Verteilung der Spenden erstmals zusammen.
Es war eines der erklärten Ziele, die Spendengelder nicht unnötig lange auf dem städtischen Konto zu belassen, sondern möglichst bald auszuzahlen. Noch im September erhielt jede der schwer betroffenen Familien eine Sofortspende von 1.000 EUR. Zu diesem Zeitpunkt war nicht abzusehen, ob die zur Verfügung stehenden Gelder für eine spürbare Linderung der Not ausreichen würden.
Die von der Stadtverwaltung – Bauwesen und Kämmerei – zusammengestellten Daten über die geschädigten Privathaushalte waren ständigen Aktualisierungen unterworfen. Schadenshöhen, Versicherungsleistungen, eingegangene Direktspenden, staatliche Hilfen und der Umfang des anschwellenden städtischen Spendenkontos veränderten die Entscheidungslage von Sitzung zu Sitzung.
Ende September 2002 wurde vom Freistaat Sachsen die Richtlinie zur 80-prozentigen Wiederaufbau-Förderung von Wohngebäuden erlassen, die die Finanzierungslücke vieler Familien stark verminderte. Nun zeigte sich, dass die Spenden einen Großteil der verbleibenden Schäden abdecken würden.
Folgende Schadenssummen beziehen sich ausschließlich auf die 104 am schwersten betroffenen Coswiger Familien:
4.342.000 EUR betrugen die Schäden an den privaten Wohngebäuden. 1.158.000 EUR Hausratschäden kamen hinzu. Unbeziffert sind die Schäden an Nebengebäude, an Gärten, Garagen und Hofbefestigungen, da diese nicht von der Fördermittelrichtlinie erfasst werden. 1.588.000 EUR Schaden blieben nach der Auszahlung von Versicherungen, Soforthilfe und Fördermitteln noch ungedeckt.
Zur Deckung dieses Betrages konnten die Hochwasseropfer insgesamt 1.310.955 EUR Spenden entgegennehmen: Davon waren 508.310 EUR auf dem städtischen Spendenkonto eingegangen; 40.100 EUR verteilten die Kirchen in Coswig; 762.549 EUR sind an weiteren Spenden von Hilfsorganisationen, Rotary- und Lions’-Clubs, Vereinen und anderen ausgereicht worden. Diese Spenden wurden bei allen Entscheidungen berücksichtigt, so dass unabhängig von der Herkunft der Gelder eine gleichmäßige Unterstützung aller Haushalte gewährleistet war.
Von den 508.310 EUR gingen übrigens
- 54,4 % nach Brockwitz,
- 26,5 % nach Sörnewitz,
- 12,4 % nach Kötitz,
- 2,5 % nach Neusörnewitz und
- 4,2 % nach Coswig-Mitte.
Was anfangs unglaublich schien, ist im Verlauf des letzten Jahres wahr geworden: Fördermittel und Spenden reichten aus, um fast alle materiellen Güter zu reparieren oder zu ersetzen, die die Flut beschädigt hatte.
Unter der Vielzahl der Anträge auf Hochwasserhilfe war in Coswig übrigens nur ein einziger Fall, der sich als Betrugsversuch herausstellte (Meißen-TV berichtete).
Das Kuratorium einigte sich in seiner gestrigen Sitzung auf einen abschließenden Verteilmodus, nach dem eventuell noch eingehende Gelder ausgezahlt werden können.
Oberbürgermeister Michael Reichenbach dankte den Damen und Herren des von ihm eingesetzten Kuratoriums für ihre unschätzbare Arbeit. Ein Jahr lang hatten sie eine Vielzahl ihrer sehr wenigen freien Stunden genutzt, um sich in das umfangreiche Zahlenwerk einzulesen und sorgfältig abgewogene und gerechte Entscheidungen zu treffen. Die Zahlen bestätigen, was die Reaktionen der Betroffenen signalisierten: Die Spendengelder haben ihre rechtmäßigen Empfänger in wirksamer Höhe erreicht. Die deutschlandweite Hilfsbereitschaft und die in ganz Coswig anerkannte Arbeit des Kuratoriums war damit auch eine große menschliche Hilfe, um die Verluste zu überwinden, die durch Geld nicht zu ersetzen sind.
Ulrike Tranberg
Pressesprecherin