Coswig führt am 01. Januar 2009 doppelte Buchführung ein
Die Große Kreisstadt Coswig arbeitet auf Hochtouren daran, am 01. Januar 2009 die doppelte Buchführung einzuführen. Das auch Doppik genannte Verfahren soll den bisherigen Rechnungsstil "Kameralistik" ablösen.
Die Bürger werden sich zu Recht fragen: „Wozu ist das nötig?“. Im bisherigen Haushaltsrecht wird nur der Geldverbrauch dargestellt. Inwieweit die entsprechenden finanziellen Mittel aber ausreichen, um das Vermögen der Kommune zu erhalten, kann nicht abgeleitet werden. Die Folge ist zwar ein formal ausgeglichener Haushalt, aber auch gegebenenfalls ein Sanierungsstau, da das Vermögen aufgezehrt wird. Das heißt, es werden nur Teile der kommunalen Wirklichkeit dargestellt. Das künftige Rechnungswesen soll den gesamten Ressourcenverbrauch - also auch den Werteverzehr durch Abschreibungen - aufzeigen. Den Produkten (Leistungen der Kommune) werden exakt die Aufwendungen und Erträge zugeordnet. Die Steuerung der Aufgabenerfüllung erfolgt über betriebswirtschaftliche Kenngrößen (Mengen- und Qualitätskennzahlen).
Kommunales Vermögen ist auch oftmals in Unternehmen ausgegliedert. Mit der Doppik wird es möglich, einen konsolidierten Gesamtabschluss des Konzerns „Kommune“ aufzustellen. Ein Unternehmen wird die Stadt Coswig aber dadurch nicht, denn Wesensziel bleibt die Daseinsvorsorge und nicht die Gewinnerzielung. Auch hat die Stadt durch die Umstellung keinen Cent mehr in der Stadtkasse. Jedoch besteht überhaupt erstmal die Möglichkeit, Fehlentwicklungen aufzudecken und mittelfristig durch die Erschließung neuer Konsolidierungspotentiale auszugleichen
Die Große Kreisstadt Coswig plant seit 2006 die Umstellung zum 01.01.2009 vorzunehmen. Dafür wurden die nötigen Vorleistungen erbracht und damit die Voraussetzungen zur Einführung der Doppik geschaffen. 2007 erfolgte die Erarbeitung eines Konzeptes zur Einführung der Doppik, für dessen Umsetzung Arbeitsgruppen für einzelne Teilthemen gebildet wurden. In der 1. Lenkungsausschusssitzung am 15.06.2007 gab der ehemalige Oberbürgermeister Michael Reichenbach den offiziellen Startschuss zur Umsetzung dieses Einführungskonzeptes.
Die aufwändigste Aufgabe stellt dabei die Erfassung und Bewertung des gesamten kommunalen Vermögens dar. Das bewertete Vermögen bildet die Voraussetzung für die Erstellung der Eröffnungsbilanz, auf deren Grundlage der Haushalt nach den Rechtsvorschriften der Doppik erarbeitet wird. Um eine Gefühl für diese Aufgabe zu erhalten, sollen die unvollständige Aufzählung, was zu bewerten ist, dienen: 70 km Gemeindstraße, 17 km Fuß- und Radwege an Staats- und Kreisstraßen, 2.272 Straßenbeleuchtungsanlagen, 35 Gebäude, 1.109 Flurstücke mit mehr als 2,1 Mio. m² Fläche und diversen Nutzungen, davon umfangreiche Grünflächen sowie 2.400 Einzelbäume, 115.000 m² Wald, 120.000 m² Grünland, 33.000 m² Acker, 24.000 Einzelobjekte im Museum, 10 direkte Beteiligungen an Gesellschaften usw.
Eine weitere wichtige Aufgabe stellte die Schulung der Verwaltungsmitarbeiter dar. Ein Großteil der Fortbildungen fand bereits statt, weitere sind noch geplant, wie z.B. die Schulung der politischen Gremien.
Die Große Kreisstadt Coswig wird die erste Kommune des neuen Landkreises Meißen sein, die ihr Rechnungswesen umgestellt hat. Die anderen Kommunen und der Landkreis selbst müssen diesen Schritt jedoch auch noch bis zum Jahre 2013 gehen. Von dieser Vorreiterrolle und den damit verbundenen Erfahrungen können dann die anderen partizipieren.
Thomas Schubert
Bürgermeister