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Die Coswiger Hartsteinindustrie |
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Man kann davon ausgehen, dass die Anfänge einer Bruchsteingewinnung bereits im 13./14. Jh. liegen, mit Sicherheit kann man eine solche ab dem Bau der (alten) Coswiger Kirche 1497 annehmen. Die ersten Steinbrüche lagen im Randbereich des Friedewaldes. Bereits im Jahre 1693 ist dann auch der Steinbruchbetrieb an der Sörnewitzer Bosel urkundlich nachweisbar. Im 18. Jh. erfaßte die Hartsteingewinnung auch die Täler (Spitzgrund und Pfarrgrund), um Anfang des 19. Jh. bis ins Hochplateau des Friedewaldes überzugreifen (z.B. Seerosen- und Weißfischelteich). Mit der Entdeckung des Roten Kötitzer Riesensteingranites um 1870 begann auch dort der Abbau des hochwertigen Materials in 2 Steinbrüchen. Zur Zeit der Hochblüte der Coswiger Hartsteinindustrie zwischen 1880 und 1910 arbeiteten bis zu 12 Steinbrüche mit insgesamt max. 50 Arbeitern. Pro Jahr bauten die Coswiger Brüche ca. 10.000 t Granit ab. Ab 1890 hielt modernere Technik Einzug in unsere Hartsteinwerke: druckluftgetriebene Maschinenbohrer, elektrisches Sprengen mit Dynamit, Dampfmaschinen zum Ausfördern von Wasser und Gestein und zum Betrieb von großen Backenbrechern und Rohrsieben. Ab 1930 kamen noch Diesel- und Elektromotoren zum Einsatz. Im großen Sörnewitzer Boselsteinbruch (siehe Bild) führte eine Feldbahn vom Brechwerk in 3 m Höhe über die Straße und die Elbwiesen bis zur Schiffsbeladestelle in der Elbe. Von dort aus lieferten die Frachtschiffe das Baumaterial kostengünstig in die Gebiete zwischen Riesa und Hamburg. Hauptprodukte unserer Hartsteinindustrie waren vor allem Bruchsteine (für den Bau von Garten- und Weinbergsmauern, Gewölben, Gründungen und Scheunen), Plastersteine, Schotter, Splitt, Sand und Steinmehl (Tief- und Straßenbau), große Flußverbausteine für Uferbefestigungen und vereinzelt Werkstücke für größere Dekorarbeiten.
In den Zeiten des Abbaues kamen nicht selten auf Gangklüften in Granit und Syenit interessante Mineralien vor: glitzernde Quarz- und Kalkspatkristalle, violetter Flußspat, grüner Epidot, roter Granat, silbriger Glimmer und tiefschwarze Turmalinsäulen. Der Boselsteinbruch war mit knapp 80 m senkrechter Wandhöhe damals einer der größten Granitbrüche Europas, wurde aber aus Naturschutzgründen 1944 stillgelegt. Mit der Einstellung des Steinbruchbetriebes im Spitzgrund (ehem. "VEB Mineralia Meißen") in den Jahren 1972 – 1976 endete dieses für Coswig so interessante und wichtige Kapitel Natur- und Wirtschaftsgeschichte. |
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