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Kurz vor der Jahrhundertwende galt das besondere Interesse von Emil Hermann Nacke dem Automobil. 1898 gewann er auf einem Daimler – Wagen das Rennen Berlin – Leipzig – Berlin (387 km in drei Etappen) – von neun gestarteten Kraftwagen erreichten nur zwei Wagen das Ziel! 1901 begann Nacke den Motorwagenbau – er war der erste Automobilfabrikant Sachsens. Seine Wagen liefen anfangs unter dem Markennamen Coswiga. Es waren schwere Vierzylinderfahrzeuge mit Motoren von 5 bis 7 Liter Hubraum und gekapselter Kettenübertragung. Ab 1910 gab es auch Nacke-Wagen mit weniger aufwendigem Kardanantieb. Die Modellpalette umfasste fünf Fahrzeuge mit Motorleistungen von 18 bis 55 PS. Karossiert wurden die Pkw u.a. bei der renomierten Berliner Karosseriebaufirma Neuss, so 1908 ein 35-PS-Wagen für Kaiser Menelik in Abessinien. 1911 präsentierte Nacke seinen ersten 2-Tonnen-Lkw; 1913 folgten ein Dreitonner und ein Omnibus. Alle Nutzfahrzeuge und Busse besaßen Schneckenantrieb der Maschinenfabrik Pekrun (Coswig). Während des Ersten Weltkrieges konzentrierte sich die Automobilfabrik E. Nacke ganz auf Nutzfahrzeuge und beliefert das Kaiserliche Heer mit großen Stückzahlen der sogenannten „Subventionswagen“. In der Weimarer Zeit setzte Nacke nur die Fertigung von Lkw fort und belieferte im In- und Ausland Kommunalbetriebe. Feuerwehren und Omnibusgesellschaften; u.a. verkehrten Nacke-Busse auch in London. 1926 umfasste das Programm ein 2,5-, 3,5- und 5-Tonnen-Lkw-Chassis mit eigenen Ottomotoren und mehreren Aufbauvarianten.
1929 geriet das im Bezirk Dresden gelegene Unternehmen in den Strudel der Weltwirtschaftskrise und stellte 1930 die Fertigung von Nutzfahrzeugen ein. Längst ist die Firma E. Nacke als Begriff in der Automobilbranche verlorengegangen, und das, obwohl sie zu den ältesten zählt. Emil Nacke lässt sich nach ersten Erfahrungen im Lokomotivbau und ausgedehnten Bildungsreisen als freischaffender Ingenieur in Dresden nieder. Nach einem Ausflug in die Strohstoffherstellung, die in den Aufbau einer Fabrik in Kötitz bei Coswig mündet, gründet er 1891 eine Fabrik in Coswig. 1901 richtet er als erster in Sachsen die Automobilfertigung ein, deren Personenwagen zunächst auf den Namen „Coswiga“ hören und bis zu Kriegsbeginn ausgeliefert werden. Der ebenfalls aufgenommene Lastwagenbau kann sich, wenn auch nur in unbedeutendem Rahmen, bis 1929 halten. Schon im September 1912 bestellt das sächsische Innenministerium neben den Daimler und Saurer zwei einheimische Nacke-Wagen. Beide kommen nunmehr am 10. Juli 1913 unter der internen Typenbezeichnung St.B.O. zur Ablieferung. Markant für die Fahrzeuge des Hauses Nacke, verfügen auch sie über den ungewöhnlichen Schneckenantrieb der Hinterachse. Sie bieten für 18 Personen plus Fahrer Platz. Aufbauten entstehen bei Schumann in Zwickau. Die Wagen werden unter Nummer 9200 und 9201 bei der SKV in Dienst gestellt und eröffnen somit diese Kennzeichen-Serie. Oftmals mit einem Anhänger versehen, verrichten sie ihre Arbeit auf der 1913 eröffneten Kraftwagenlinie Meißen – Weinböhla, scheinbar aber nicht zur Zufriedenheit der SKV, die von weiteren Lieferungen absieht. Beide bleiben neben einem gebraucht erworbenen Bruder die einzigen Omnibusse von Nacke bei der SKV und beenden sogleich das kürzeste Intermezzo einer Marke bei der staatlichen Neuwagenbeschaffung.
Möglicherweise unter dem Einfluss von August Horch, mit dem Nacke in freundschaftlicher Verbindung stand, ging er bei seinen Motoren zu der Bauweise mit obenliegenden Einlassventilen über. Während die großen Typen mit 45 und 55 PS seitlich stehende Ventile aufwiesen, finden wir bei den kleineren Typen die obengeschilderte Anordnung. In den Jahren 1910 – 1912 wurden von Nacke die Typen 7/18 PS, 10/25 PS, 13/30 PS, 19/40 PS und 26/55 PS hergestellt. Der kleinste Nacke-Wagen 7/18 PS wurde komplett ausgestattet mit Verdeck, Beleuchtung und Hupe zum Preise von 7000,- Mark verkauft. Der 7/18 PS Typ und der 13/30 PS Typ wurden 1912 weiter verbessert und erschienen 1913 mit erhöhter Leistung als Modell 8/22 PS und 14/35 PS im Typenprogramm von Nacke. Gerd Fehre nach Quellen des Verkehrsmuseums Dresden |