21. September 2006

Sanitätsrat Dr. med. Reginald H. Pierson
Zum 100. Todestag einer Coswiger Persönlichkeit von überregionaler Bedeutung

Teil 3: Die Heilanstalt „Lindenhof“ – Piersons Vermächtis

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Der Lindenhof nach Piersons Tod

Als Sanitätsrat Dr. med. Pierson im August 1906 starb, hatte er bereits seit einiger Zeit seinem langjährigen Mitarbeiter, Herrn Dr. med. Friedrich Lehmann, die ärztliche Leitung seiner Heilanstalt „Lindenhof“ übertragen. Um Piersons Lebenswerk über seinen Tod hinaus fortzuführen, gründeten seine Erben im April 1907 eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Cornelia Pierson wurde Geschäftsführerin dieser Gesellschaft, die zwei Monate später Dr. Lehman als Direktor der Heilanstalt anstellte. Neben der ärztlichen Leitung wurde ihm auch die Aufsicht über den wirtschaftlichen Betrieb der Anstalt übertragen. Sicher wurde in den folgenden Jahren alles dafür getan, um die Heilanstalt im Sinne Dr. Piersons weiterzuführen. Der Ausbruch des I. Weltkrieges verhinderte jedoch einen dauerhaften Fortbestand. Noch am 22. Oktober 1916 schrieb der Neucoswiger Gemeindevorstand Krause im Namen der Gemeinde an Frau Cornelia Pierson und „die wohllöbliche Gesellschaft Dr. Piersons Erben“: „ Am heutigen Tage erfüllt sich ein Vierteljahrhundert seit dem Tage, an dem der verstorbene Besitzer der Heilanstalt „Lindenhof“ … nach unserem Orte übersiedelte. … Wir wünschen insbesondere, dass die Anstalt, die sich, seit dem sie sich im Besitze der Familie Pierson befindet einen weit über die Grenzen des Reichs hinaus gehenden Ruf erworben hat, unter bewährter Leitung und unter dem Schutze eines baldigen Friedens weiter aufblühen möge zum Segen der leidenden Menschheit. …“ Leider erfüllten sich die Wünsche nur zum Teil. Zweifelhaft ist, ob nach dem Krieg der Anstaltsbetrieb wieder aufgenommen werden konnte, denn bereits am 9. Januar 1920 meldete die Volkszeitung, dass die Heilanstalt Lindenhof in den Besitz der Landesversicherungsanstalt Sachsen überging. Dass dieser Verkauf auch eine politische Dimension hatte, zeigt die folgende Überlegung der Volkszeitung an gleicher Stelle: „Die Gemeinde büßt durch den Verkauf des Lindenhofes ihre beste Steuerkraft ein und dürfte der Anschluss unserer Gemeinde an die Gemeinde Coswig nunmehr das Gebot der Stunde sein.“ – Was dann auch folgerichtig am 1. April 1920 geschah.

Die Heilstätte

Die Landesversicherungsanstalt übernahm den gesamten Pierson’schen Besitz auf einem Gelände von knapp 10 Hektar: „ …13 mehr oder minder große, sehr solid gebaute Häuser samt Einrichtung, Park und Waldbestand sowie Gärtnereibetrieb in besonders großem Ausmaß …“, wie die Volkszeitung am 3. Februar 1920 zu berichten wusste. Noch im gleichen Monat sollten die Häuser zunächst mit 200 bis 250 lungenkranken Frauen belegt werden. …zum Segen der leidenden Menschheit – wenn auch auf andere Weise, so erfüllte sich dieser Wunsch des Gemeindevorstandes Krause dann doch noch. Für lungenkranke Männer unterhielt die Landesversicherungsanstalt bereits eine Heilstätte in Hohwald. Tuberkulose und Lungenkrankheiten breiteten sich nach dem Krieg rasch aus und Behandlungsstätten waren dringend notwendig. So wurde aus der renommierten Heilanstalt für Gemüts- und Nervenkranke des Dr. Pierson die ebenso anerkannte Heilstätte Lindenhof für Lungenkrankheiten und Tuberkulose. Die erste Erweiterung der bestehenden Gebäude erfolgte 1931 mit einem modernen Klinikgebäude und ermöglichte erstmals chirurgische Behandlungsverfahren der Tuberkulose. In den sechziger Jahren verschwand der Name Lindenhof aus der Bezeichnung. Es war dann die “Klinik für Tuberkulose und Lungenkrankheiten“ und danach das „Bezirkskrankenhaus für Lungenkrankheiten und Tuberkulose Coswig“. Heute präsentiert sich der ehemalige Lindenhof als erfolgreich privat betriebenes „Fachkrankenhaus Coswig – Zentrum für Pneumologie und Thoraxchirurgie“, wie es nun heißt. Mit einem 2003 neu gebauten, modernen Bettenhaus und 2004 eingeweihtem neuen Operationstrakt entspricht es jetzt den Erfordernissen unserer Zeit.

Verpasste Gelegenheiten?

Nach seinem Tod wurde dem Gründer der Heilanstalt „Lindenhof“ ein Denkmal gesetzt. Eine Kalksandstein-Büste des Dr. Reginald H. Pierson wurde auf einem hohen Steinsockel am 7. Juli 1910 im Park, im Eingangsbereich seiner Wirkungsstätte, aufgestellt. Leider fristet sie heute nur noch ein Schattendasein. In der DDR-Zeit wurde die Büste an den Rand des Parks versetzt. An der ursprünglichen Stelle wurde dafür die Plastik einer Schwimmerin aufgestellt. Der neue Standort unter hohen Bäumen bekam dem Kalksandstein der Büste nicht. Zum Schutz vor weiteren schädlichen Umwelteinflüssen und eventuell auf eine Restaurierung harrend, befindet sie sich heute im Treppenhaus des ehemaligen Gesellschaftshauses. Wünschenswert wäre, wenn das Denkmal für den Gründer der Heilstätte „Lindenhof“ nach einer Restaurierung wieder einen für alle zugänglichen Platz im Park des heutigen Fachkrankenhauses bekommen würde. Schade auch, dass der Arzt Dr. med. Reginald H. Pierson und sein Lebenswerk kürzlich keine Chance vom Coswiger Stadtrat bekamen, in einem Straßennamen in unmittelbarer Nähe des „Lindenhofes“ weiterzuleben. Ebenso schade ist, dass sich der schöne Festsaal im ehemaligen Gesellschaftshaus in einer Art Dornröschenschlaf befindet. Könnte er nicht zum Beispiel durch Kammerkonzerte, Lesungen oder Vorträge wieder mit Leben erfüllt werden?


Festsaal

Zum Schluss soll Dr. Reginald H. Pierson noch einmal selbst zu Wort kommen mit dem Schlusssatz aus seinem Buch von 1896: „Ich bin weit entfernt davon, dieses erfreuliche Gedeihen der Anstalt mir als Verdienst anzurechnen; ich constatiere es nur mit dem Gefühl der Dankbarkeit für alle Diejenigen, die dazu beigetragen haben, und mit dem Ausdruck der Hoffnung, dass auch in Zukunft ein günstiges Geschick über dem Lindenhofe walten möge.


# Teil 1: Die Familie Pierson
# Teil 2: Der Lebensweg des Arztes der Psychiatrie
# Teil 3: Die Heilanstalt „Lindenhof“ – Piersons Vermächtis

Petra Hamann, Stadtarchiv

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