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2. April 2009 „… Coswig zur Ehre gereichen“ – Coswigs Ehrenbürger Prof. Heinz Werner wurde am Dienstag
Ehrenbürger unserer Stadt. Gewürdigt werden damit nicht nur seine Treue
und Verbundenheit zu Coswig, immerhin ist er seiner Heimatstadt schon
über 80 Jahre treu, sondern es ist vor allem eine Anerkennung seines
schöpferischen Lebenswerkes und seiner Verdienste um die Porzellankunst.
Somit erfüllt Heinz Werner alle Voraussetzungen, die in Coswig in der
„Satzung zur Ehrung verdienter Persönlichkeiten“ aus dem Jahr 1999
genannt sind. In § 2 heißt es dazu: Die Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Prof. Werner im Jahr 2009 soll Anlass sein, einen Blick in die Geschichte der Coswiger Ehrenbürger zu werfen. Es ist wirklich ein besonderes Ereignis in der Geschichte Coswigs, denn freigiebig gingen Coswigs Stadtväter auch in der Vergangenheit nicht mit dieser höchsten Ehrung einer Stadt für eine Person um und es kam auch vor, dass man nicht lange glücklich mit der dann endlich getroffenen Entscheidung war. Coswigs erster Ehrenbürger erhielt diese Ehrung am
Ende der Weimarer Republik. Auf der öffentlichen Gemeinderatssitzung am
22. Dezember 1932, abends 7 Uhr, im großen Sitzungszimmer des Rathauses
wurde Carl Romer (1872 – 1949) vom damaligen Bürgermeister
Schmidt die Ehrenbürgerwürde verliehen. Es war Romers letzter Tag als
Mitglied des Gemeinderates, dem er 30 Jahre lang angehörte. Er erhielt
eine Urkunde mit folgendem Text: Es folgten mit der Zeit des Nationalsozialismus in
Deutschland die ideologisch motivierten Ehrenbürgerernennungen. Paul von
Hindenburg und Adolf Hitler sollen von rund 4000 Städten und Gemeinden
zu Ehrenbürgern ernannt worden sein. Unmittelbar nach Hitlers Ernennung
zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 stellten ganz beflissene Gemeinden
schon Anträge, ihn und Hindenburg als Ehrenbürger in ihre Reihen
aufnehmen zu dürfen. Um dieser Antragsflut zu begegnen, organisierte der
Sächsische Gemeindetag einen gemeinsamen Ehrenbürgerbrief zur Verleihung
der Ehrenbürgerschaft. Darauf waren die Namen der sich diesem Vorschlag
anschließenden sächsischen Städte und Landgemeinden verzeichnet. Dem
Protokoll des Coswiger Verwaltungsausschusses vom 9. Mai 1933 ist zu
entnehmen, dass auch die Gemeinde Coswig auf diesem Weg Hindenburg und
Hitler zu Ehrenbürgern machte. Für die Beschaffung des
Ehrenbürgerbriefes konnte eine freiwillige Geldspende geleistet werden,
empfohlen wurden 5 bis 50 RM. Die Gemeinde Kötitz beteiligte sich z.B.
mit 10 Reichsmark ebenfalls an dieser „Hindenburg-Hitler-Ehrung“
genannten Aktion. Ebenso wurde im gleichen Jahr mit der
Ehrenbürgerschaft für Mutschmann, dem damaligen Reichsstatthalter
Sachsens, verfahren. Auch er erhielt einen gemeinsamen Ehrenbürgerbrief
von Städten und Landgemeinden über den Sächsischen Gemeindetag. Während der Zeit der DDR gab es immer wieder einzelne
Vorschläge für die Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Stadt Coswig,
vorrangig für verdiente Antifaschisten. Es sollte jedoch noch bis zum
September 1989 dauern, ehe dieser Schritt getan wurde. Mehrere Jubiläen
gaben dazu Anlass. Der 40. Jahrestag der DDR stand bevor und die Stadt
Coswig beging den 50. Jahrestag der Verleihung des Stadtrechtes und die
Ersterwähnung vor 640 Jahren mit einem Stadtfest. Auftakt zu diesen
Feierlichkeiten war am 21. September eine Festsitzung der
Stadtverordnetenversammlung Coswigs im Stadtkulturzentrum „Clubhaus
Coswig“, der heutigen „Börse“. Die Sächsische Zeitung berichtete darüber
in ihrer Ausgabe vom 23./24. September 1989: Den beiden Coswigern Wilhelm Gratzel und Kurt Schirmer wurde die Ehrenbürgerwürde auf Vorschlag der SED-Ortsleitung und des Stadtausschusses der Nationalen Front verliehen. Außer einer Urkunde erhielten sie einen Freifahrtausweis des Meißner Kraftverkehrs und einen Ehrenbürgerausweis, der sie zu freiem Eintritt für Museum, Kino, Ausstellungen, Sportveranstaltungen und Naherholungseinrichtungen der Stadt Coswig berechtigte. Die Verleihungsurkunden nennen langjährige politische und gesellschaftliche Arbeit bei der Entwicklung der Stadt als Begründung. Beiden wurde die Ehrenbürgerwürde 1991 durch einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung aberkannt, da Gründe für ein Fortbestehen dieser Ehrenbürgerschaft nicht mehr als gegeben angesehen wurden. Schön, dass Coswig mit dem Maler und Porzellangestalter Heinz Werner jetzt wieder einen Ehrenbürger hat, den ersten nach der politischen Wende! Er befindet sich somit in guter Gesellschaft von Coswigs historischen Ehrenbürgern Carl Romer, der auch einmal der Erste war, und den Künstlern Teresa Carreño und Eugen d’Albert - und alle gereichen sie Coswig zur Ehre! Petra Hamann, Stadtarchiv
Quellen:
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"Veröffentlichungen des Stadtarchivs" |