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Alte Kirche Coswig

Die Alte Kirche Coswig gilt als eine der schönsten erhaltenen sächsischen Dorfkirchen. 1497 stiftete Nicol von Karras 750 Rheinische Gulden zum Bau einer Kirche in Coswig. Im Grundbestand spätgotisch, wurde das Kirchlein 1611/12 erhöht und mit einem Satteldach versehen. Für die Renaissance typisch ist die Bekrönung des Kirchturmes mit einem Volutengiebel und die farbenreiche Bemalung des Kircheninneren. Die hölzerne Kanzel trägt die Bilder der vier Evangelisten. Reichen Schmuck besitzt die erste Empore an der West- und Nordwand: in 18 Bildern ist die Leidens- und Auferstehungsgeschichte dargestellt, ein 19. Bild, farblich sehr gut erhalten, wurde bei Restaurierungsarbeiten entdeckt und sichtbar angebracht. Die große Kassetten gegliederte Decke zeigt in der Mitte die Auferstehung und das Jüngste Gericht. Um dieses Hauptbild sind die lebensgroßen Bildnisse der zwölf Apostel gruppiert. Eine zweite Empore wurde 1735 über der ersten eingebaut und mit Rokokokartuschen bemalt. Die langwierige Innenrestaurierung kann 2002 abgeschlossen werden. Damit ist der historische Raumeindruck nun wieder uneingeschränkt erlebbar.

Innenansicht zum Altar

Innenansicht mit Orgel

Eine Rarität und ein Kleinod sächsischer Orgelbaukunst stellt die Renaissance-Orgel dar, deren Herkunft im Dunkel liegt. Die Entstehungszeit wird mit 1615 oder 1624 angegeben; in ihrer heutigen Gestalt stammt die Orgel aus den Jahren 1760-1770. Bei der mehrjährigen, 1998 beendeten Rekonstruktion wurden die verkürzten Oktaven der Klaviatur und die seltene mitteltönige Stimmung (465 Hz) beibehalten.

Von Mai bis Oktober finden hier Gottesdienste, Andachten und Meditationen statt, aber auch Konzerte bei Kerzen­schein. Die Alte Kirche ist von Juni bis August werktags von 10 bis 14 Uhr geöffnet und sonnabends von 16 bis 18 Uhr.

Ausführliche Informationen zur Geschichte der Coswiger Kirchen (und ihrer Glocken) mit vielen Fotos und Ausstellungs­stücken finden Sie in der Dauer­ausstellung des Karrasburg Museum Coswig.

 Auszug aus der Geschichte der Alten Kirche Coswig

1496 stiftete Nickel von Karras 750 rheinische Gulden zum Bau einer Kirche in Coswig.

1497 wurde die Kirche als eingeschossiger Bau mit einschiffigem, flachgedecktem Saal und dreiseitigem Ostschluss errichtet. Aus dieser Zeit stammen auch der holzgeschnitzte gotische Flügelaltar und die kleinste der drei Glocken.

1539 wurde Kaspar Steig nach Einzug der Reformation erster evangelischer Pfarrer in Coswig.

1611 erfuhr die Kirche unter Pfarrer Wenzeslaus Fehrmann eine erste umfassende Veränderung durch Auf- und Umbau. Der Turm, der nach der Zeit des Kirchenbaues und vermutlich vor der Kirchenerhöhung entstanden war, erhielt dabei zwei Volutengiebel. Mit der Kirchenerhöhung vergrößerte man zugleich die Fenster und setzte das spätgotische Fenster in der Nordwand zu. Die hölzerne Kassettendecke und die Brüstungen der 1611 eingebauten Empore wurden bemalt und der Altar umgestaltet.

1612 erfolgte ein weiterer Innenausbau und eine Innengestaltung der Kirche. Die von Ambrosius Günther gestiftete Kanzel wurde eingebaut.

1674 starb Pfarrer Guillanus nach 40jähriger Amtszeit. Aus Dankbarkeit ließ die Gemeinde sein lebensgroßes Bildnis malen und neben der Kanzel anbringen. Dazu musste die Kanzel um einen Meter nach Westen versetzt werden.

1718 schenkte der Maurermeister Georg Haase der Kirche einen neuen Taufstein, der das zinnerne Taufbecken von 1618 erhielt. Bisher wurden die Taufen an einem schmucklosen Taufstein aus Sandstein vollzogen, der vermutlich aus der Entstehungszeit der Kirche stammte oder noch älter war.

Bis 1735 erfolgte die zweite große Erneuerung der Kirche mit der Erweiterung der ersten und zweiten Empore. Es entstanden insgesamt "40 Männer- und 30 Weibersitze". Die Mauer des Kirchturmes wurde durchbrochen, um die Orgel dort einstellen zu können, die vorher vermutlich an einer anderen Stelle auf der Empore gestanden hatte.

Historische Postkarte von Brück & Sohn, Meissen

1903 zog die Gemeinde aus ihrem alten Gotteshaus in die neu erbaute Kirche. Die neue Kirche erhielt Namen und Taufstein der alten Peter-Pauls-Kirche. Die Kommission zur Erhaltung der Kunstdenkmäler drang auf die Erhaltung des alten Kirchenbaues.

1906 wurden die Glocken der Alten Kirche an die Cunnersdorfer Kirche verkauft.

1951 wurde die Kirche entrümpelt, ge­säubert und not­wendige Reparaturen durch­geführt. Damit konnte die Kirche wieder für An­dachten, kleine musikalische Ver­anstaltungen und Ausstellungen genutzt werden..

1953 erfolgte eine Renovierung des Turmes.

1972 wurden sechs Altarfiguren bei einem Einbruch gestohlen.

1982 kam es erneut zu einem Einbruch, bei dem die noch vorhandenen Altarfiguren, eine Altarbibel und ein wertvolles Kruzifix geraubt wurden.

1984 begannen die Restaurierungsarbeiten im Innenraum.

Ab 1990 wurde die Kirche wieder für Konzerte, kleine Veranstaltungen und Andachten genutzt.

1997 konnte sich die Alte Kirche zum 500jährigen Jubiläum dank dem Engagement der Coswiger Pfarrer und der Unterstützung von Vereinen und Privatpersonen in neuer Schönheit präsentieren. Seit Mai dieses Jahres befindet sich wieder die Figur der Maria mit dem Jesuskind als Nachbildung des gestohlenen Originals im Altarschrein. Am 7.September erklangen wieder drei neue Glocken in der Alten Kirche.

1998 wurde nach sechsjähriger Restaurierungsarbeit am 30. Juni mit dem Einbau der Orgel begonnen. Ihre festliche Weihe erfolgte am 23. September.