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Rote Presse


Das Gebiet der Roten Presse im Spaargebirge wurde im 17. Jahrhundert zur kurfürstlichen Jagd genutzt. Spätestens in der zweiten Hälfte dieses Jahr­hunderts wurde aber bereits mit dem Weinbau begonnen. So erbaute man wahrscheinlich auch zwei Press­häuser, die nach ihrem äußeren Anstrich graues und rotes Haus genannt wurden.


Weinberglage Meißner Kapitelberg mit der Grauen und Roten Presse im Vordergrund
(Foto Jörg Mosch, Kopie aus dem Weinkalender 1999)

1653 verkaufte ein Uhrmacher zu Meißen, Friedrich Voigt, seinen Weinberg an seinen Schwager Paul Crummius, kur­sächsischer Rat im Amt Meißen. Rund 30 Jahre später erwarb Hieronimus Sigmund Gerlach, kurfürstlicher Steuereinnehmer in Meißen, einen Teil dieser Weinberge, auf denen ein Haus mit einer Presse stand. Zu dieser Zeit war auch ein Winzer dort tätig. 1689 verkaufte der Sörnewitzer Richter Michael Züchner seinen mit einer Mauer umgebenen Weinberg einschließlich einer Stein­schütte an den Meißner Stadt­schreiber Gerlach. Hier könnte es sich um das Gelände oberhalb der Roten Presse mit dem Schwalben­nest handeln. In den folgenden Jahren erwarb Gerlach weitere Weinberge u.a. von Heinrich Martini, Schulmeister und Organist zu Meißen-Cölln. 1703 verkaufte ein Sörnewitzer Einwohner seine Wiese an Gerlach „zur Erbauung eines Berghauses ... daß er das vorhabende Berghauß darauf bauen, aus dem darauf anstoßenden Berge die benötigten Steine, wie auch darunter seines Gefallens Keller und Gewölbe ausbrechen...“ Dieses ist die erste Nachricht über den Bau des Weingutes „Rote Presse“. 1767 begann zwischen den Erben Gerlachs ein gegenseitiger Verkauf. 1784 und 1785 kaufte Johann Gottlob Vetter, Apotheker in Meißen einige Flurstücke der Roten Presse. Ab dem 19. Jahrhundert werden die Besitzer Gottfried Gappisch, Moritz Seiffarth und Langelütje genannt.

1918 kaufte Major Freude die Rote Presse. Am Weinbau sehr interessiert, erwarb er auch die Graue Presse und weitere Weinberge, um diese nach neuen Anbau­methoden aufzureben. Er produzierte selbst Weine und versuchte dabei, eine hohe Qualität zu erzielen. Durch die Welt­wirtschafts­krise bedingt, musste er das Anwesen an die Stadt Meißen verkaufen.


Die Rote Presse in den 30er Jahren

1933 erwarb Frau Else Fried die Rote Presse ohne die Weinberge. Dr. Otto Fried praktizierte als Ober­medizinalrat. Mit der Macht­ergreifung der NSDAP wurde das Leben für die jüdische Familie zunehmend schwieriger.

1939 wurden sie gezwungen, die Rote Presse abzugeben. Dr. Fried musste ins jüdische Ghetto nach Dresden, seine Frau nach Koblenz. Die beiden Söhne konnten sich in die Schweiz retten, die Tochter nach Brasilien. 1944 kam Dr. Fried in Auschwitz ums Leben.

Die Gebäude und Weinflächen wurden nach dem Krieg volkseigen.


Die Rote Presse heute (Foto: Thomas Kretschmer)

Heute sind die Weinberge im Besitz der Stadt Meißen und werden von Dr. Blawitzki bewirtschaftet.

Die Rote Presse ist im Privat­besitz der Familie Seidler und wurde in jahre­langer Arbeit liebevoll restauriert.

© Text & Layout: Museum Karrasburg Coswig
(Ausstellung: "Wie die Rebe, so der Wein - Weinanbau im Coswiger Raum" 2002)