Geplante Elbe-Oberlausitz-Leitung
von Alexandra Prüfer
Die geplante Elbe-Oberlausitz-Leitung beschäftigt auch die Große Kreisstadt Coswig. Mit dem Vorhaben soll die Stromversorgung im Großraum Dresden langfristig gesichert und der steigende Energiebedarf, insbesondere durch neue Industrieansiedlungen und Erweiterungen im Dresdner Norden, gedeckt werden.
Die 50Hertz Transmission GmbH plant gemeinsam mit dem Verteilnetzbetreiber SachsenNetze ein Maßnahmenpaket in den Landkreisen Meißen und Bautzen sowie in der Landeshauptstadt Dresden. Vorgesehen ist unter anderem eine Anbindung an das 380-kV-Höchstspannungsnetz. Für das Vorhaben „Elbe-Oberlausitz-Leitung, Abschnitt West“ beabsichtigt 50Hertz, ein Planfeststellungsverfahren zu beantragen.
Nach den bisherigen Planungen sind verschiedene Trassenabschnitte vorgesehen, von denen auch das Gebiet der Stadt Coswig betroffen sein könnte. Insbesondere mögliche Auswirkungen auf den Friedewald und den Natur- und Landschaftsraum in der Region werden von Bürgerinnen und Bürgern kritisch betrachtet. Eine Online-Petition mit dem Titel „Verhindert eine 380-kV-Leitung mit 100 ha Waldabholzung mitten durch den Friedewald!“ bringt diese Bedenken zum Ausdruck.
Weitere Informationen zur Petition:
Online-Petition zum geplanten Leitungsverlauf durch den Friedewald
Die Stadt Coswig begrüßt grundsätzlich eine frühzeitige und umfassende Prüfung der geplanten Elbe-Oberlausitz-Leitung. Für uns ist jedoch entscheidend, dass die verschiedenen Trassenvarianten tatsächlich ergebnisoffen und auf einer vergleichbaren sowie belastbaren Datengrundlage untersucht werden. Gerade für die Trassenalternative E sind noch Kartierungsarbeiten ausstehend, sodass eine abschließende Bewertung der unterschiedlichen Raumwiderstände derzeit noch nicht möglich ist. Besonders kritisch sehen wir die möglichen Auswirkungen einer Trassenführung durch den Friedewald. Der Friedewald ist für Coswig nicht nur ein ökologisch wertvoller Naturraum, sondern auch ein bedeutendes Naherholungsgebiet mit hoher kulturhistorischer und landschaftlicher Bedeutung. Eine Freileitung mit bis zu 70 Meter hohen Masten würde diesen Raum erheblich verändern. Hinzu kommen der Verlust von mindestens 20 Hektar Waldfläche, mögliche Auswirkungen auf das Landschaftsbild und die Erholungsfunktion sowie die Zerschneidung eines bislang zusammenhängenden Naturraums. Von besonderer Bedeutung ist außerdem die Querung des FFH-Gebietes „Teiche und Gründe im Friedewald“. Die möglichen Auswirkungen auf geschützte Tier- und Pflanzenarten sowie auf die ökologischen Funktionen dieses Gebietes müssen aus Sicht der Stadt umfassend untersucht und bewertet werden. Gleiches gilt für die Auswirkungen auf das Stadtklima, insbesondere die Bedeutung des Waldes für die Frischluftzufuhr nach Coswig.
Aus Sicht der Stadt sollte deshalb nicht nur die Lage der Trasse, sondern auch die technische Ausgestaltung umfassend betrachtet werden. Dazu gehört insbesondere die Prüfung einer partiellen Erdverkabelung in sensiblen Bereichen. Ebenso sollte untersucht werden, inwieweit bestehende Energie- und Verkehrstrassen genutzt und gebündelt werden können. Das sogenannte Bündelungsgebot bietet hier die Möglichkeit, zusätzliche Zerschneidungen bislang unberührter Landschaftsräume zu vermeiden. Unser Anliegen ist es, eine sachgerechte und transparente Abwägung aller betroffenen Belange zu gewährleisten. Die notwendige Energiewende und der Ausbau der Infrastruktur dürfen nicht dazu führen, dass besonders wertvolle Natur-, Erholungs- und Kulturräume unnötig belastet werden. Deshalb erwarten wir, dass die Auswirkungen auf Mensch, Natur, Wald, Landschaft und Klima bei der weiteren Planung mit der erforderlichen Tiefe untersucht und alle geeigneten Alternativen ernsthaft geprüft werden.